Brief an die Bürgerschaft Wangen zum Jahresbeginn 2022

4.1.2022 Wangen im Allgäu. Oberbürgermeister Michael Lang richtet zum Jahresbeginn einen Brief an die Bürgerinnen und Bürger Wangens.

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich wünsche Ihnen ein gutes und gesundes neues Jahr! Möge uns 2022 Glück bringen! Die Grüße zum neuen Jahr erreichen Sie wie im letzten Jahr in schriftlicher Form. Ergänzend zu diesem Brief möchte ich auf den aktuell aufgenommenen Neujahrsfilm verweisen, der seit dem 1.1. 2022 im Internet zu finden ist: www.wangen.de/film

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Trotz aller Erschwernisse haben wir im abgelaufenen Jahr viel erlebt: Die Baustellen für die Landesgartenschau 2024 bestimmen das Stadtbild. Die Sanierungsarbeiten an den Schulen gehen voran. Neue Kindergärten in Primisweiler und im Bereich Praßberg haben den Betrieb aufgenommen. Auf den Straßen gibt es zahlreiche neue Markierungen.

Mit Blick auf die Entwicklungen im vergangenen Jahr bin ich Ihnen allen dankbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Unterstützung. Angesichts der vielen ausgefallenen offiziellen Begegnungen und des stark eingeschränkten kulturellen Lebens, habe ich mich umso mehr über jedes zufällige Zusammentreffen gefreut. Bringen wir auch weiter gemeinsam die notwendige Geduld auf, um die Zeit der Einschränkungen gut zu überstehen.

Wo stehen wir in Wangen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie? Noch im Sommer haben wir gehofft, durch die Erfolge der Impfkampagne eine „vierte Welle“ im Herbst abzuwenden. Doch im November 2021 verzeichnete Deutschland neue traurige Rekordzahlen. Mit einem Tageswert (26.11.2021) von 76 414 Ansteckungen und einem Wochenwert von 371 430 Fällen gab es neue Höchstzahlen. Auch in Wangen steckten sich im November (554) und Dezember (463) viele Menschen an. Zuletzt sind die Zahlen zurückgegangen. Seit Beginn der Pandemie wurden lokal insgesamt 2.451 Ansteckungen festgehalten.

Seit genau einem Monat wird in der Stadthalle durch Impfteams des Landkreises Ravensburg geimpft. Bis zu 500 Menschen am Tag! Bitte nutzen Sie die Angebote für die schützenden Impfungen. Termine sind auch kurzfristig buchbar. Wegen der sich jetzt auch bei uns verbreitenden Omikron-Variante ist eine Auffrischungsimpfung dringend anzuraten! Bei dieser Gelegenheit danke ich allen Arztpraxen, Apotheken, dem DRK und etlichen Dienstleistern, die sich im Rahmen der Impfkampagne engagieren und für Testangebote sorgen.

Etliche Menschen wollen sich nicht impfen lassen. Wir erleben Demonstrationszüge und Kundgebungen, Spannungen in unserer Gesellschaft, die uns Sorgen machen. Wichtig erscheint mir, dass wir uns weiter mit Respekt begegnen. Wir sollten nicht trennen! Wir haben Verständnis füreinander und bleiben menschlich! Ansteckungsrisiken sollten wir aber meiden. Wir sehen es im Krankenhaus Wangen, welche schlimmen Folgen Corona für viele Menschen hat. Zuletzt war die Intensivstation überwiegend mit Corona- Patienten belegt. Im Moment ist etwas Beruhigung festzustellen. Die belastende Situation auf der örtlichen Intensivstation wurde vor kurzem in einer eindrucksvollen Reportage für das Fernsehen festgehalten.

Die aktuellen Diskussionen zur Zukunft der OSK- Krankenhäuser sind deshalb umso schwerer zu vermitteln. Der Landkreis Ravensburg hat eine große Fläche mit schwieriger Topographie und über 285 000 Einwohner. Das Krankenhaus Wangen erfüllt den Grund- und Regelversorgungsauftrag der OSK vor allem im Württembergischen Allgäu, wo rund 100 000 Menschen leben. Dazu kommen noch die Nachbarn von der bayerischen Landesseite. Alle Reformüberlegungen sollten daran gemessen werden, die Sicherheit der Menschen weiterhin zu gewährleisten. Dazu halte ich eine leistungsfähige Innere Abteilung mit Intensivstation und Notaufnahme für erforderlich. Alles was die so genannte Stufe 1 der Notaufnahme benötigt (Notfallversorgung Chirurgie und Unfallchirurgíe sowie Geburtshilfe), sollte weiterhin und dauerhaft vorhanden sein. Für die Menschen bedeutsam ist auch weiter die Geburtshilfe-Abteilung. Im Jahr 2021 wurden 817 Geburten festgehalten (287 Kinder mit Wohnort Wangen im Allgäu). Ein Rekordwert seit langem! Ich würde mich freuen, wenn sich die Zusammenarbeit mit den Fachkliniken Wangen (Waldburg-Zeil-Kliniken) ausbauen ließe. Das sehr gute Potential beider Häuser gilt es im Sinne einer guten Zukunft für die Beschäftigten und der in unserer Region lebenden Menschen zu sichern.

Wir haben noch zwei Arbeitsjahre Zeit bis zur großen Veranstaltung der Landesgartenschau 2024. Im abgelaufenen Jahr sind etliche Baustellen sichtbar geworden, die unmittelbar mit dem großen Ereignis zusammenhängen. Für alle sichtbar verändert sich derzeit der Garten im Bereich der Hochwasserente, das Gelände auf der Argeninsel und beim „Alten Feuerwehrhaus“. Die alte Sporthalle fehlt im Stadtbild. Ab Juni 2022 wird diese Lücke mit dem Bau der neuen Kreissporthalle wieder geschlossen.

Vorarbeiten für Umgestaltung der Oberen Argen

Im Moment laufen die Vorbereitungen für die Arbeiten entlang der Oberen Argen von der Stadt bis zum ERBA-Gelände. Auf einer Strecke von 3,5 Kilometern soll dem Fluss eine naturnähere Entwicklung ermöglicht werden. Nirgendwo auf dem Weg Richtung Bodensee ist das Gewässer so stark eingeengt und in seiner Dynamik beschränkt, wie im stadtnahen Gebiet um Wangen. Deshalb misst auch das Land Baden-Württemberg diesem Argenprojekt große Bedeutung zu. Die Hauptarbeiten sollen im Sommerhalbjahr 2022 umgesetzt werden. Jetzt im Winter gibt es größere Eingriffe in die Vegetation. Dem Fluss kann man nur Platz bieten, wenn auch am Ufer abgegraben wird. Dazu müssen etliche Bäume und Sträucher weichen, die aber – im Gelände verbaut – Pflanzen und Tieren neue Lebensräume geben. In der Gesamtbilanz soll es deutliche Verbesserungen für die Ökologie der Argen geben.

Im Frühjahr wollen wir wieder bei Bürgerspaziergängen den Fortschritt der Maßnahmen und der Bautätigkeit rund um die ERBA und die Auwiesen zeigen. Dort entstehen 380 Wohneinheiten für an die 1000 Menschen. In ersten Gebäuden brennt abends schon Licht. Im Gebiet der Spinnerei zieht wieder Leben ein! Zudem gibt es künftig 19 Gewerbeeinheiten für rund 400 bis 500 Beschäftigte. Die Fertigstellung dieses Stadtteils feiern wir im Jahre 2024 mit einem halbjährigen überörtlichen Fest! Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Und es werden auch beschwerliche Zeiten.

Viele der Baustellen behindern im Alltag. Entlang der Straßen stehen etliche Sanierungen an. Ab Frühjahr 2022 wird es an der Gallusbrücke (B 32) eine Einbahnregelung geben, wenn das Regierungspräsidium Tübingen die Brücke bis in den Herbst hinein saniert. 2023 steht die mehrmonatige Sanierung der Argenbrücke (B 32) in Herfatz bei Vollsperrung an. Eine von uns während der Bauzeit dort gewollte Behelfsbrücke wird vom Bund abgelehnt. Ganz nahe zur Altstadt wollen wir am Martinstor im baldigen Frühjahr den nächsten Kreisverkehr bauen, später dann auch an der Kreuzung im Bereich B32/Waltersbühl/Siemensstraße. Diese Maßnahmen sollen auch helfen, die Baustelle an der B 32-Bahnkreuzung besser zu bewältigen. Mit dem Start der Arbeiten dort rechnen wir nach Ende der Landesgartenschau.

Neues Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr

Das ÖPNV-Angebot, Bus und Bahn, verändert sich derzeit. In die Elektrifizierung der Bahnstrecke München – Lindau wurden in den letzten Jahren 510 Millionen Euro investiert. Die seit kurzem fahrenden neuen blau lackierten Züge haben eine bessere Taktung. Stündlich sind Fahrten nach München möglich und zweistündlich sogar ohne Umstieg unter zwei Stunden Fahrzeit! Der Landkreis hat zudem die Busverbindung Ravensburg-Wangen-Isny durch neue Angebote deutlich gestärkt. In diesen Tagen sind die neuen Stadtbusse erstmals im Einsatz. Die kleinen und wendigen Busse bieten Platz für bis zu 32 Personen (19 Sitzplätze) und fahren auf vier neuen Strecken im Halbstundentakt. Bitte beachten Sie: Manche Haltestellen haben sich geändert! Und bitte probieren Sie das neue Angebot im Laufe der nächsten Wochen aus! Im ganzen Monat Januar 2022 fahren die Busse ab 8 Uhr im Testbetrieb kostenlos!

Neu ist ab diesem Monat die Gebührenpflicht auf etlichen Parkplätzen. Mit dem Angebot der Jahresvignette für 100 Euro wollen wir vor allem den Pendlern entgegenkommen. Auf den meisten Plätzen kann weiter ein Ticket am Automat gelöst oder direkt über das Handy bezahlt werden. Bis zum 31. Dezember 2021 wurden schon 873 Vignetten ausgegeben. Im Januar läuft die Einführungsphase. Ab Februar 2022 gilt die neue Regelung verbindlich. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Möglichkeit des Parkens mit Vignette bewährt.

Zwei Daueraufgaben werden uns noch etliche Jahre beschäftigen: Das kommunale Bau- und Sanierungsprogramm für Kindergärten und Schulen sowie der Klimaschutz. In einigen Kindergärten werden die Plätze knapp. Etliche Einrichtungen wie zum Beispiel der Kindergarten Leupolz stehen noch auf der Sanierungsliste. Raumknappheit gibt es perspektivisch an einigen Grundschulen. An der Werkrealschule Niederwangen und in der Gemeinschaftsschule geht es schon länger beengt zu. Ende 2022 soll die Sanierung der Realschule weitgehend abgeschlossen sein. An anderen Einrichtungen warten dann neue Bauaufgaben für die Zukunft der Bildung und Betreuung!

Zum Klimaschutz: Mit dem Aufbau unserer Stadtwerke und den Geschäftsfeldern der Stromerzeugung aus Wasserkraft und der Versorgung mit Nahwärme haben wir schon vor zehn Jahren wichtige Weichen gestellt. Für die Ziele zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 braucht es aber noch viel! Wir werden unseren Beitrag dazu zu leisten haben. Es gilt Solarparks planerisch zu begleiten und neue innovative Möglichkeiten zur Wärmeversorgung zu prüfen.

Die klimatischen Veränderungen haben zuletzt im Ahrtal zu schlimmen Hochwassern geführt. Wangen blieb zum Glück von Argen-Hochwasser verschont, jedoch nicht vom Abfluss großer Mengen von Oberflächenwasser. In Siedlungen unterhalb von Hängen und entlang von Bächen vor allem im Bereich Deuchelried und Epplings, aber auch in Leupolz sind Problemlagen sichtbar geworden. Diese Thematik gilt es systematisch abzuarbeiten. Mit einem so genannten „Starkregenrisikomanagement“ werden in einem ersten jetzt laufenden Projekt zunächst die Problemzonen rund um Deuchelried und Epplings untersucht. Zusammen mit den Grundstückseigentümern gilt es das vom Hangrutsch in Rhein bei Primisweiler betroffene Gelände zu sichern. Seit kurzem liegt ein Sanierungskonzept vor.

Den Kräften des Bauhofs, der Polizei, der Feuerwehr, des THW, des DRK und der DLRG danke ich für die so gut eingespielte und professionelle Zusammenarbeit bei Großschadenslagen. Unsere Einheiten brauchen eine gute Ausstattung und Ausrüstung. Die Planungen für den Neubau des Feuerwehrhauses Leupolz/Karsee gehen gut voran!

Ein Grund zur Freude war im Jahr 2021 die Auszeichnung der Ortschaften Karsee, Leupolz, Neuravensburg, Niederwangen und Schomburg mit dem touristischen Prädikat als „Erholungsort“ durch das Land Baden-Württemberg.

Am Anfang des neuen Jahres möchte ich Ihnen allen dafür danken, dass Sie mit Ihrem Leben, Ihrer Verbundenheit mit unserer Stadt und mit den Steuern, die Sie zahlen, letztlich all das ermöglichen, was unser Gemeinwesen ausmacht. Die Gewerbesteuer hat im Jahr 2021 mit 22,6 Millionen Euro eine neue Rekordmarke erreicht. Sie spiegelt die Schaffenskraft aller Beschäftigten und die Innovationskraft der Unternehmen und befähigt letztlich auch unsere Stadt, ihren Aufgaben gut nachzukommen.

Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, möchte ich darum bitten, die örtlichen Angebote des Handels, der Dienstleistungsbranche, des Gastgewerbes und der heimischen Landwirtschaft weiter gut anzunehmen und mit Ihrer Kaufkraft zu stärken. Bitte helfen Sie mit, die von Corona besonders stark betroffenen Branchen neu zu beleben. Auch der gesamte Kulturbereich und das Vereinsleben verdienen unsere Solidarität und Unterstützung. Das neue Jahr nehmen wir gemeinsam zuversichtlich an! Ich wünsche Ihnen ein gutes 2022!

Herzlichst!
Ihr Michael Lang, Oberbürgermeister“