Continental testet Reifen künftig in dynamischem Fahrsimulator

7.4.2021 Hannover. Continental investiert in einen neuartigen dynamischen Fahrsimulator, um ihre Premiumreifen für das Erstausrüstungsgeschäft künftig noch effizienter, nachhaltiger und exakter auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt zu entwickeln.

Die Hightech-Anlage des Herstellers Ansible Motion wird Mitte 2022 am größten europäischen Reifentestzentrum von Continental, dem Contidrom in Wietze nahe Hannover, in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Driver-in-the-loop Simulator (DIL), der exakte fahrdynamische Parameter der Reifen und die des jeweiligen Testfahrzeugs berechnet.

Durch seine hohe Beweglichkeit kann der Simulator den professionellen Testfahrern von Continental subjektive Fahreindrücke vermitteln, genau wie bei Reifentests auf der Teststrecke. Testfahrer können so neu entwickelte Reifen in den vielfältigsten virtuellen Testszenarien und Fahrsituationen erproben.

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„Das Entwickeln und Testen von Premiumreifen ist ein hochkomplexer, zeitintensiver Prozess. Durch den Einsatz des neuen dynamischen Fahrsimulators gestalten wir diesen Entwicklungsprozess künftig noch effizienter“, sagt Dr. Boris Mergell, Leiter Forschung und Entwicklung des Reifenbereichs von Continental.

„Den virtuellen Entwicklungsprozess in der Automobilindustrie möchten wir auch im Reifenbereich aktiv mitgestalten. Der neue Simulator vereint State-of-the-Art-Technologie mit dem unersetzlichen Erfahrungsschatz unserer professionellen Testfahrer. Continental gehört mit zu den Pionieren der Nutzung dieser innovativen, hybriden Testtechnologie“, fügt er hinzu.

Nachhaltige Entwicklung: Rund 100.000 Testkilometer und 10.000 Testreifen eingespart

Der neue Fahrsimulator bringt deutliche Vorteile für die Reifenentwicklung – und damit für die Kunden von Continental. Wenn entscheidende Entwicklungsschritte und die damit einhergehenden Testanordnungen in die virtuelle Welt verlagert werden, spart das Zeit, Kosten und wertvolle Ressourcen in der realen Welt. Der logistische Aufwand von verschiedensten physischen Tests zum Beispiel wird signifikant reduziert, da entscheidende Parameter im Simulator abgeprüft werden können. Denn der Simulator wird mit den Daten des jeweiligen Fahrzeugmodells gefüttert, für das der neue Reifen entwickelt wird. Dazu kommen die Daten von Continental hinsichtlich Gummimischung, Reifenarchitektur und Profilgestaltung.

Jeder Testzyklus, der im Fahrsimulator statt auf realen Fahrbahnen absolviert wird, bedeutet weniger Testreifen, die gebaut werden müssen. Die Investition in die neue Test-Technologie trägt somit auch zu Continentals umfangreichen Nachhaltigkeitsbemühungen bei. Das Ziel des Unternehmens ist es unter anderem, bis zum Jahr 2030 der fortschrittlichste Reifenhersteller im Hinblick auf ökologisches und sozial verantwortungsvolles Wirtschaften zu sein. Dafür investiert Continental signifikant in innovative Technologien und Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Der neue Fahrsimulator unterstützt dies mit konkreten Zahlen aus der Praxis: „Wenn unsere Testfahrer künftig im Cockpit des Simulators und weniger am Steuer eines Fahrzeugs sitzen, werden jedes Jahr rund 100.000 Kilometer weniger auf realen Straßen oder Teststrecken absolviert“, erklärt Dr. Holger Lange, Leiter der Pkw-Reifen-Entwicklung für das Erstausrüstungsgeschäft bei Continental. „Außerdem können wir pro Jahr etwa 10.000 Testreifen einsparen“, fügt er hinzu. Bisher war für die finale Abstimmung der Reifen auf reale Einsatzszenarien stets der Bau einer hohen Anzahl von Testreifen notwendig. Ziel ist es, dank des Simulators künftig deutlich weniger solcher Prototypen bauen zu müssen.

Simulator bietet vielseitigte Test-Möglichkeiten

Der Testfahrer fährt im Simulator ein ganz konkretes Reifenmodell für eine spezifische Modelvariante. Bei Auffälligkeiten können alle Parameter jederzeit digital angepasst werden. So können neue Reifenmodelle absehbar in allen denkbaren Einsatzgebieten, Fahrsituationen und auf verschiedensten Untergründen getestet werden, mit belastbaren Ergebnissen in einem frühen Stadium des Entwicklungsprozesses – und das für alle Fahrzeug- und Antriebsvarianten, für Pkw wie Nutzfahrzeuge, für Elektro-, Hybrid- und Verbrenner-Fahrzeuge. Auch neue Materialvarianten – Continental erforscht intensiv die Einsatzmöglichkeiten nachhaltiger Materialien für den Reifenbau – können so ausgiebig getestet und weiter optimiert werden, bevor der erste Testreifen überhaupt gebaut worden ist.

Continental hat sich für den Delta S3 Simulator von Ansible Motion entschieden, dem neuesten Stand der Simulationstechnik. Durch den vergrößerten Bewegungsraum von vier mal vier Metern, eine höhere Auflösung und der Fähigkeit, Reifen in einer virtuellen Welt genau zu bewerten, wird der Delta S3 den Ingenieuren von Continental ermöglichen, Beschleunigungen über einen längeren Zeitraum zu simulieren. Dies garantiert realistischere Erfahrungen, wie z.B. zweispurige Fahrzeugmanöver, enge und langgezogene Kurvenfahrten sowie das Fahren auf verschiedenen Oberflächen.
Continental ist ein Vorreiter innovativer Reifen-Testmethoden

Continental gehört seit langem zu den führenden Unternehmen beim Einsatz innovativer Reifentest-Technologien. Bereits seit 2012 ist auf dem Contidrom die weltweit erste automatische und wetterunabhängige Bremsanalyse-Anlage (AIBA; Automated Indoor Braking Analyzer) in Betrieb – in unmittelbarer Nähe übrigens zum neuen Fahrsimulator, der ebenfalls auf dem Gelände des Contidroms zum Einsatz kommen wird. Außerdem ist das Unternehmen seit 2018 Vorreiter für Reifentests mit autonom fahrenden Testfahrzeugen auf dem eigenen Testgelände im US-amerikanischen Bundesstaat Texas.

Conti SportContact 6

Conti SportContact 6 (Quelle: Continental AG)