Festnahme „Falscher Polizeibeamte“ in der Türkei

4.12.2020 München. Seit Jahren wirken kriminelle Organisationen aus dem Ausland in oft perfider Art und Weise auf zumeist betagte Mitbürger in Deutschland durch Telefonbetrügereien ein. Den Opfern wird dabei am Telefon vorgetäuscht, dass die Polizei anrufen würde. Man habe beispielsweise eine Einbrecherbande geschnappt, welche die Daten der Opfer mit sich führten.

Es stehe nun zu befürchten, dass die Wertsachen des älteren Opfers, Bargeld, Schmuck zu Hause und auch auf der Bank in Gefahr seien und darum durch einen Polizisten geschützt werden müssen. Das Opfer wird so veranlasst, die Wertsachen in der Nähe des Anwesens für den angeblichen Verdeckten Ermittler abzulegen oder ihm persönlich auszuhändigen.

Durch diese Taten werden oftmals Existenzen vernichtet und Lebenswerke zerstört. Gleichzeitig werden bei den Opfern extreme seelische Schäden verursacht. Das bei den Menschen in der Regel große Vertrauen in Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht wird dazu schwer beeinträchtigt.

WERBUNG:

Die AG Phänomene des Kriminalfachdezernates 3 ermittelt seit 2017 gegen Führungsköpfe eines Callcenters in Izmir, welche in mehreren Fällen für große Vermögensschäden der letzten Monate in München verantwortlich sind.

Die letzten Abholer, welche in München festgenommen werden konnten, wurden ebenfalls durch diese Täter beauftragt.

Nachdem die Gruppierung deutschlandweit tätig war, entwickelte sich in diesem Zusammenhang eine gute Zusammenarbeit mit dem LKA Düsseldorf, sowie dem PP Heilbronn, welche wegen Fällen in ihrem Zuständigkeitsbereich ebenfalls gegen den gleichen Täterkreis ermittelten.

Der Kopf der Organisation war im Jahr 2012 als damals 23-Jähriger aus dem Bremer Landgericht geflüchtet und hatte sich in die Türkei abgesetzt. Seine Mittäter in Izmir befanden sich in der Vergangenheit allesamt in Deutschland und wurden teilweise nach schwerwiegenden Straftaten abgeschoben bzw. sind ebenfalls aus Deutschland geflüchtet. Diese Täter gelten als Erfinder des Straftatenphänomens „Falsche Polizeibeamte“.

Gleichzeitig zu den Ermittlungen in Deutschland wurden in der Türkei Ermittlungen geführt. Hier wurde sowohl über Rechtshilfe, als auch über den Interpol-Kanal ein intensiver Informationsaustausch unter Einbindung des BKA-Verbindungsbeamten betrieben.

Jetzt ist es der Generalstaatsanwaltschaft und der Polizei in Izmir gelungen einen bedeutenden Schlag gegen das Callcenter und dessen Führung zu landen.

In den türkischen Medien wird aktuell zu dieser großen Polizeiaktion mit folgenden Schlagworten berichtet:

31 Festnahmen, darunter auch die relevanten Führungsköpfe der Organisation

48 Wohnungs- und Geschäftsdurchsuchungen

Sicherstellungen von 1,5 Millionen Euro, sowie 200.000 US Dollar Bargeld, 5 kg Gold,

20 bis 25 Armbanduhren und fünf unterschiedliche illegale Schusswaffen,

weiterhin wurden viele Immobilien, Fahrzeuge und Firmenanteile beschlagnahmt.

Die Ermittlungen in Izmir werden wegen des Bildens einer kriminellen Vereinigung, qualifizierten Betruges, sowie Geldwäsche und anderen Delikten geführt.

(Symbolfoto: Bayerische Polizei)