Jahresrückblick Kaufbeuren 2020 von Oberbürgermeister Stefan Bosse

21.12.2020 Kaufbeuren. „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

was für ein Jahr 2020! Voller Energie und Zuversicht sind wir in dieses Jahr gestartet. Am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft lief es überwiegend gut bis sehr gut. Und dann kam Corona.

Nahezu beispiellos ist es, wie global Maßnahmen gegen die Virusausbreitung ergriffen wurden und welchen Einbruch dabei die Märkte erfahren haben. Abstand halten war die „neue Nähe“, um gerade ältere Familienangehörige und Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schützen. Deutschland, Bayern und Kaufbeuren sind bislang vergleichsweise gut durch diese Zeit gekommen. Aber auch bei uns haben Menschen schwere und leider auch tödliche Verläufe erfahren müssen. Irgendwann wird diese Pandemiezeit hinter uns liegen.

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Mit etwas Abstand hoffe ich, dass wir auch dann zum Ergebnis kommen, angemessen reagiert zu haben. Automatisch wurden wir als Gesellschaft sehr viel digitaler und flexibler in unserer Arbeitswelt, aber auch im Privatleben. Ich wünsche mir einen weiter offenen Dialog und die Kraft, im politischen Miteinander Argumente auszutauschen und anderen zuhören zu können, dies gerade wenn man eine gegenteilige Position vertritt. Dass Populismus und alternative Fakten auf Dauer keine tragfähige Basis bilden, zeigte zuletzt auch der Wählerwille in den USA.

Danke für Ihre Leistung!

Zu Beginn der Corona-Phase gab es Applaus für die Beschäftigten in der medizinischen Versorgung, in der Pflege, im Handel, im ÖPNV und vielen weiteren Bereichen. Wir alle verdienen unseren gegenseitigen Respekt, unsere Wertschätzung und Anerkennung insbesondere im Umgang mit der Corona-Herausforderung. Ich denke auch an die Kinder in Schule und Kindergarten und deren Eltern.

Die häufig wechselnden Schutzmaßnahmen, Schließung der Bildungs- und Betreuungsstätten, einhergehend mit Homeschooling, zerrte mehr als verständlich an den Nerven. Sehr viele Berufstätige waren oder sind von Kurzarbeit betroffen, was eine große Herausforderung darstellt. Unsere Grundversorgung war zu keiner Zeit gefährdet, dafür gebührt allen Beteiligten großer Dank und Anerkennung.

Ich denke dabei nicht nur an Supermärkte, wo Sonderschichten gefahren werden mussten, sondern auch an die lokalen Medienredaktionen. Gerade in Krisenzeiten ist die Nachrichtenversorgung aus zuverlässiger und unabhängiger Quelle essenziell. Diese Versorgung war in Kaufbeuren immer gewährleistet.

Danken möchte ich auch allen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal ob in Pflegeheimen oder im Katastrophenschutz – es war auch für die städtischen Beschäftigten ein herausforderndes Jahr.

Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Katastrophenschutz möchte ich herausgreifen. Wieder vorbildlich hat dieses Team am Sonntag, 15. März, bis tief in die Nacht die Kommunalwahl ausgewertet.

Gleich am nächsten Tag gingen die gleichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Katastrophenschutzmodus. Diese Lage haben sie bis heute eigentlich nicht verlassen und waren sehr bemüht, bei permanent sich ändernden rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen Antworten und Lösungen zu geben. Die neueste Herausforderung ist der Aufbau eines Impfzentrums in Kaufbeuren.

Was gab es heuer außer Corona?

Eine ganze Menge! Udo, der Sensationsfund, ist ein sehr weitläufiger Ahne von uns. Einst, vor über 11 Millionen Jahren, haben er und seine Genossen wohl den aufrechten Gang „erfunden“. Nun zeigt er sich in Pforzen der Öffentlichkeit. Die Ausstellung über ihn wird hoffentlich bald viele Menschen interessieren und in unsere Region führen.

Etwas weniger weit zurück geht der Blick auf die Kaufbeurer Wasserversorgung. Seit 125 Jahren verfügen wir über eine zentrale Wasserversorgung. 1895 wurde die Hochdruckleitung zwischen Oberbeuren und Kaufbeuren in Betrieb genommen, fünf Quellen erschlossen und der erste Hochbehälter errichtet. Auch ein anderes Jubiläum stand ins Haus: Seit 100 Jahren sind wir stolz auf eine eigene Sing- und Musikschule in unserer Stadt.

Die Stadt ist bei ihren laufenden Baumaßnahmen gut vorangekommen. Die Aufstockung der Kindergartenplätze geht weiter, beispielsweise durch das Kinder- und Familienzentrum in Neugablonz. Schulen werden saniert und nicht sanierungsfähiges, wie das Eisstadion, wird abgebrochen. Aber auch ein Abbruch kann süße Träume erwecken, Stichwort Schokoladenerlebniswelt.

Ich freue mich, dass der schwäbische Integrationspreis an den Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren gegangen ist. Auch dieses Beispiel zeigt, dass unsere Stadt in Sachen Integration auf einem guten Weg ist. Der Stadtjugendring konnte unter vorbildlichen Schutzmaßnahmen auch heuer eine an Corona angepasste Stadtranderholung anbieten und sorgte damit bei Eltern und Jugendlichen gleichermaßen für Abwechslung und Erholung. Selbst Veranstaltungen wie der Rustikalmarkt und das Hundeschwimmen konnten stattfinden.

Erfolgreiche COVID-19-Sonderveranstaltungen waren das Auto- und Kulturfestival am Tänzelfestplatz sowie die Coronale Kaufbeuren. Wir hatten dazu eine Plattform für Künstler und ihr Publikum geschaffen, die mit viel Empathie, Freude und Solidarität den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern aufrecht erhalten haben.

In der malerischen Kulisse der Kaufbeurer Altstadt hat Til Schweiger Szenen zu seinem neuesten Film gedreht und sich auch gleich im Goldenen Buch der Stadt verewigt. Sein Produktionsteam hatte sich ganz gezielt für Kaufbeuren entschieden und zeigte sich begeistert vom großen Zuspruch und der Unterstützung des Drehtages durch die Bevölkerung.

Der neue Stadtrat hat mit zwölf Beauftragten seine Arbeit aufgenommen bzw. fortgesetzt. Diese findet in einer guten und konstruktiven Atmosphäre statt, obgleich die Gestaltungsspielräume wegen des Coronaeinbruchs merklich kleiner geworden sind. Auch Ihr Oberbürgermeister wurde deutlich digitaler: Mit meist wöchentlichen und teils täglichen Videos auf dem städtischen Youtube-Kanal möchte ich Sie unmittelbar über städtische Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Ihre Rückmeldungen und die hohen Klickzahlen bestätigen mich auf diesem Informationsweg. Unsere neue Buron-App informiert Sie via Push-Funktion unverzüglich, wenn wir auf der städtischen Homepage Neuigkeiten einstellen. Die App gibt auch einen Überblick über weitere digitale Angebote, wie die Abfall-App mit den Abfuhrterminen für Ihre Straße.

Das kommende Jahr

Für die Jahre 2020 bis 2023 hat die Stadt Kaufbeuren Investitionen in Höhe von 102 Millionen Euro geplant. Die Corona-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Dies schlägt sich sehr schnell auf die Einnahmesituation von Staat und Kommunen nieder. So gut es geht, halten wir auch künftig an unseren Investitionsentscheidungen fest und stehen als verlässlicher Auftraggeber an der Seite der Wirtschaft. Rund 23 Millionen Euro werden absehbar in Kanal- und Straßenbaumaßnahmen fließen.

Große Projekte sind die laufende Generalsanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums, der Ausbau der Gustav-Leutelt-Schule zur Ganztagsschule, Umbau, Sanierung sowie Erweiterung von Kindergärten, Entwicklung von Nahwärmenetzen und energetische Sanierungen von öffentlichen Gebäuden. Auch diese Bauprojekte waren und sind in ihrem Fortgang zeitweise von der Corona-Pandemie betroffen gewesen.

Mit hoher Priorität für unsere gesamte Region gehen die Planungen von Bahnhalten und für den vierspurigen Ausbau der B 12 voran. Zum Planungsabschnitt der B 12 um Kaufbeuren herum haben Ihnen das Staatliche Bauamt Kempten und die Stadt Kaufbeuren einen Informationsabend mit Livestream angeboten.

Verfolgen Sie die weitere Entwicklung auch unter www.derallgäuschnellweg.de. Für unsere Verkehrssicherheit und Anbindung an das bundesweite Straßennetz ist der B 12-Ausbau ein gewaltiger Meilenstein und mir persönlich ein Herzensanliegen.

Eine sehr gute Nachricht auch für Kaufbeuren ist die hohe Förderzusage des Freistaates Bayern für die Ortsumfahrungen Apfeltrang und Ruderatshofen. Mit einer planmäßigen Verkehrsfreigabe im Jahr 2023 verbessert sich deutlich die Anbindung des Kaufbeurer Südens in Richtung B 12.

Stadtrat und Verwaltung beschäftigen sich strukturiert und strategisch mit der Zukunft unserer Stadt. Mit einem neuen Rahmenplan für die Innenstadt, vom Afraberg bis zum Bahnhof, sowie einem weitergedachten Einzelhandelsentwicklungskonzept gehen wir auf die gravierenden Änderungen für unsere Innenstadt und auch die Stadtteilzentren ein.

In Ausarbeitung ist das neue Fuß- und Radwegekonzept, das hunderte Einzelmaßnahmen definiert. Dieses große Arbeitspaket wird einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger und klimafreundlicher Fortbewegung im Stadtgebiet liefern.

Bei allen Konzepten sind und waren Sie als Bürger gefragt, denn Ihre Wünsche und Ideen sind die Bausteine, aus denen die Kaufbeurer Zukunft entstehen soll.Die Qualität und Leistungsfähigkeit unserer Mobilitätsangebote bewegen uns in der Stadtverwaltung sehr.

Bereits beschlossen ist der neue Nahverkehrsplan für Kaufbeuren und das Ostallgäu. Wir verfügen heute schon über eine sehr dichte Bustaktung sowie attraktive Tarife für Kunden, speziell mit Jahres-Abos. Die Stadt Kaufbeuren vergünstigt mit Zuzahlungen beispielsweise gezielt die Endkundenpreise für Dauerkarteninhaber.

Nach dem Coronajahr 2020 hoffe ich, bei aller angemessenen Achtsamkeit, dass unser Kultur- und Veranstaltungsleben wieder Fahrt aufnehmen kann. Normalerweise ist zu dieser Zeit der Kaufbeurer Veranstaltungskalender bereits mit hunderten Terminen prall gefüllt, das ist dieses Jahr leider anders…..

Blicken Sie mit mir trotzdem voller Optimismus in das neue Jahr. Gemeinsam wollen wir 2021 möglichst viele Veranstaltungen durchführen. Beispielsweise gilt es 30 Jahre Städtepartnerschaft mit unseren Freunden aus Ferrara zu feiern.

Nach den außergewöhnlichen Herausforderungen dieses Jahres wünsche ich Ihnen eine friedvolle und erholsame Weihnachtszeit. Für das neue Jahr seien Gesundheit, Glück und Zuversicht Ihre treuen Wegbegleiter.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Stefan Bosse

Oberbürgermeister“