„Schlimmer als das Königreich – Die Anfänge des Freistaates Bayern“ 20.1.2016

20. Januar 2016
22:00

„Schlimmer als das Königreich – Die Anfänge des Freistaates Bayern“ am Mittwoch, 20.1.2016, um 22:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen

München, 21. Februar 1919: Der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner wird auf offener Straße erschossen. Täter ist der 22-jährige Leutnant Anton Graf Arco, der sein Opfer mit zwei Genickschüssen niederstreckt, bevor er überwältigt werden kann.

Ganz Bayern ist geschockt. Gut hundert Tage war es her, dass der Sozialist Kurt Eisner in der Nacht zum 8. November 1918 den Freistaat Bayern ausgerufen hatte.

Ohne Kampf und Widerstand entgleitet den Bayern in einer einzigen Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 ihr jahrhundertealtes Königreich: In den Münchner Garnisonen stehen die Tore offen, allseits strömen junge Soldaten auf die Straßen. Sie reihen sich ein in den anschwellenden Trupp aus kriegsmüden Reservisten, Deserteuren, Matrosen, Arbeitern und Intellektuellen. Man gründet Arbeiter- Bauern- und Soldatenräte und ruft im Landtag den Volksstaat Bayern aus. Erster Ministerpräsident wird Revolutionsführer Kurt Eisner.

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Im Tross der Revolutionäre findet sich ein Augenzeuge, der später Weltruhm erlangen sollte: der Literat Oscar Maria Graf. Wie konservative Bürger die ersten Monate der Revolution wahrgenommen haben, davon erzählen in dieser Dokumentation auch die Tagebucheinträge des Gymnasiallehrers Josef Hofmiller. Und wie Argwohn und Abscheu in diesen Tagen das Handeln konservativer Monarchisten bestimmte, das veranschaulichen unter anderem die Tagebuchnotizen des Erzbischofs Michael von Faulhaber.

Die Jubelstimmung in der jungen Republik hält nur drei Tage vor. Dann erwachen Großbürger und Großkapital, Offiziere, Altmonarchisten und völkisch-national Gesinnte aus ihrer Schockstarre. Es wird keine Gelegenheit ausgelassen, um die Regierung Eisner aus dem Landtag zu putschen. Im Zuge dieser erbitterten Grabenkämpfe radikalisiert sich in München ein junger Offizier: Anton Graf Arco auf Valley. Der 22-jährige Leutnant bewegt sich im Kreis rechtskonservativer, völkisch-nationaler Konterrevolutionäre. Am 21. Februar schreitet er zur Tat: Mit zwei Schüssen ins Genick ermordet er Kurt Eisner auf offener Straße.

Die Autorin des Films hat neben publizierten Quellen auch bislang unbeachtete Augenzeugenberichte aus einem Nachlass gesichtet. Diese stützen die These: Der Erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern wurde nicht Opfer eines desillusionierten Einzeltäters, sondern einer konterrevolutionären Verschwörung.

„Schlimmer als das Königreich – Die Anfänge des Freistaates Bayern“ am Mittwoch, 20.1.2016, um 22:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen