Städtische Maßnahmen zur Förderung des Artenschutzes in Kempten

11.10.2022 Kempten (Allgäu). Der Wunsch nach Artenschutz wird zunehmend größer in der Bevölkerung. Schon länger ist die Stadt Kempten (Allgäu) bemüht diesem Anliegen nachzugehen.

Flächen werden ausgemagert und neu erfasst, Blühwiesen angesät und Pflegepläne umgestellt.

Seit Ende 2018 werden nun vermehrt Projekte im Sinne des Artenschutzes ausgeführt und eine Arbeitsgruppe aus Betriebshof, Stadtgärtnerei, Stadtgrün, Umweltamt und Klimaschutzmanagement beschäftigt sich mit der Thematik. Zusammen werden Konzepte entwickelt, wie Anwohner integriert, die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sowie die Bedürfnisse der Tiere und Pflanzen vereinbart und die vorhanden Grünflächen im Klimawandel nachhaltig und ökologisch wertvoll gestaltet und gepflegt werden können.

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Auf den städtischen Flächen werden Artenschutzmaßnahmen schon seit mehreren Jahren realisiert. Um die Sichtbarkeit der städtischen Bemühungen zu erhöhen sollen einige der Projekte hier vorgestellt werden.

Blühflächen

Blühflächen bereichern mit ihren blühenden Kräutern nicht nur das Stadt- und Straßenbild, sie bieten auch die Möglichkeit dem Artensterben vieler Insekten entgegenzuwirken.

Es werden einjährige Zwischenbegrünung mit Sommerblumen, mehrjährige Wildblumen und Mischsaaten von ein- und mehrjährigen Blühsaaten ausgebracht. Die Ansaaten entwickeln sich innerstädtisch sehr gut auf den extensiv genutzten Flächen in Park- und Grünanlagen sowie auf den Seitenstreifen und Grüninseln der Straßen.

Beim Neubau und Umbau von Straßen und bei der Ersatzpflanzung von Bäumen wird in der Regel ein Magersubstrat aus feinem Kiesboden ausgebracht, da sich dauerhafte Blumenwiesen – auch Magerwiesen genannt – am besten auf wasserdurchlässigen und mineralischen Böden entwickeln. Der nährstoffarme Kies begünstigt nicht nur die Keimung von Kräutern und Blumen, sondern bietet bodenbrütenden Wildbienen und anderen Insekten ideale Voraussetzung ihre Brutröhren zu bauen.

Bei der Umgestaltung reicht es nicht Blühwiesen anzulegen, sie müssen auch entsprechend gepflegt werden. Ein wichtiger Punkt beim Ausmagern von Wiesen bzw. bei der Pflege von neuangelegten Blühwiesen ist es, zweimal im Jahr zu Mähen, wobei die erste Mahd mitunter in die Blüte getätigt wird. Dies ist für die Artenvielfalt der Flora und damit auch der Fauna auf lange Sicht förderlich, auch wenn es für die Insektenfauna in der Wiese zu Verlusten führt.

Optimal ist es bei diesen Schnitten, nicht die ganze Fläche zu Mähen, sondern gestaffelt vorzugehen, so dass anwesende Tiere immer Nahrung finden. Bei der Stadtgärtnerei ist dies leider oft nicht möglich, da es den Arbeitsaufwand in einer Weise erhöht, der bei der momentanen Personallage nicht leistbar ist.

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Staudenbepflanzungen

In Kempten werden derzeit vermehrt Staudenpflanzungen angelegt, die neben den Einsaaten von Blühwiesen und den Schmuckpflanzungen mit einjährigen Zierpflanzen das Stadtbild bereichern und einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Die Stadt bietet Stauden ein breites Spektrum an Wuchsorten. Diese reichen von Parkanlagen über Plätze und Fußgängerzonen bis hin zum groß- oder kleinflächigem Verkehrsgrün.

Richtig ausgewählt und platziert kommen Stauden mit den Bedingungen des städtischen Lebensraums gut zurecht und zahlreiche Arten und Sorten gedeihen auch an Extremstandorten.

Stauden verändern ihr Erscheinungsbild im Jahreslauf und in einer für den Standort sorgfältig ausgewählten Mischung blüht über das Jahr verteilt zu jeder Zeit etwas. Da die Staudenpflanzung eine Dauerkultur ist, wird das Bodenleben nicht durch Umgraben gestört.

Die vielen verschiedenen Pflanzengattungen und –arten bilden eine Mischkultur, die wenig anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge ist. Aufgrund der unterschiedlichen Blühzeitpunkte der Pflanzen und in Kombination mit Frühjahrszwiebelpflanzen wird von Februar bis in den November ein Nahrungsangebot für Insekten geschaffen.

Die Stadtgärtnerei lässt die Stauden im Winter vermehrt stehen, da die abgestorbenen Pflanzenteile viele Funktionen erfüllen. Sie sind Unterschlupf für die Überwinterung von Insekten, Baumaterial für Nester von z. B. Vögeln und nicht zuletzt auch Nahrung, da oftmals noch Samen in den alten Blüten sind.

Dies sind jedoch nicht die einzigen Maßnahmen, die die Stadtgärtnerei unternimmt. Wie schon angedeutet, sind die Pflegepläne umgestellt worden, dies ist nach einer Bestandsaufnahme der Flächen vorgenommen worden. Die Flächen wurden begutachtet und so bestimmt, in welchem Zustand die Fläche ist und für was sie verwendet wird.

In stark genutzten Bereichen, wie zum Beispiel Liege- und Spielwiesen ist es wichtig mehr Gräser zu haben und diese kurz zu halten während andere Bereiche „wilder“ gestaltet werden können. Generell wird, wenn möglich später gemäht, länger stehen gelassen und die Mahd abtransportiert (teilweise gleich und teilweise nach ein paar Tagen), um eine Nährstoffanreicherung der Flächen zu vermeiden. In Gehölzflächen wird Altholz liegen und der Unterbewuchs naturnah gelassen (z. B. an der Iller unterhalb der König-Ludwig-Brücke).

Neben den passenden Mähzeiten ist es außerdem förderlich, das Mahdgut ein paar Tage auf der Fläche zu belassen. Auf diese Weise samen die abgeschnittenen Pflanzen nach, die Samen fallen auf die Fläche und können bei guten Bedingungen im nächsten Jahr wieder auskeimen. Dies ist besonders bei einjährigen Blühmischungen gut, damit die Blütenpracht auch im folgenden Jahr weiterbesteht.