Unterallgäuer Erziehungsberatung wird ausgebaut

4.12.2020 Landkreis Unterallgäu. Probleme in Familien nehmen zu. Diese Erfahrung hat auch das Unterallgäuer Jugendamt gemacht. Um Eltern und Kinder besser zu unterstützen, hat der Landkreis deshalb im Jahr 2019 eine neue staatliche Förderung aufgegriffen und eine Beratung eingeführt, die direkt vor Ort bei den Familien stattfindet.

Diese sogenannte aufsuchende Beratungsarbeit, die zur Erziehungsberatungsstelle in Memmingen gehört, soll fortgeführt werden, beschloss der Jugendhilfeausschuss. Außerdem soll es das Angebot künftig auch in Mindelheim geben.

Die Erziehungsberatungsstellen sollen Kinder, Jugendliche und ihre Eltern bei der Bewältigung von Problemen – zum Beispiel auch bei Trennung oder Scheidung – unterstützen, erläuterte Jugendamtsleiterin Christine Keller. Im Unterallgäu werden unter der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg zwei Erziehungsberatungsstellen in Mindelheim und in Memmingen betrieben.

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Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden und das Hilfsangebot möglichst niederschwellig zu gestalten, führte der Landkreis ab Mai 2019 eine aufsuchende Beratungsarbeit ein und genehmigte dafür eine halbe Stelle in Memmingen. „Ratsuchenden Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern muss es so leicht wie möglich gemacht werden, Beratung und Unterstützung zu erhalten“, sagte Keller.

Dass die aufsuchende Beratung gut angenommen wird, erläuterten Dr. Monika Grimaldi und Anja Kelz von der Erziehungsberatung. In den Kindertagesstätten Guter Hirte in Babenhausen, Maria Stern in Ottobeuren und St. Anna in Bad Wörishofen war demnach regelmäßig eine Beraterin vor Ort. Außerdem wurde das Angebot wiederholt in der Erwachsenenpsychiatrie des Memminger Klinikums vorgestellt, es wurde Netzwerkarbeit betrieben und es fanden Veranstaltungen für Eltern sowie eine Beratung von Fachkräften statt. Dabei wurden trotz der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie laut Grimaldi 63 Familien erreicht.

Insgesamt sei deutlich geworden, dass bislang nicht alle Gebiete im Unterallgäu von den Erziehungsberatungsstellen ausreichend erreicht wurden, zog Jugendamtsleiterin Keller Bilanz. Deshalb befürwortete das Jugendamt eine unbefristete Weiterführung der halben Stelle in Memmingen. Zudem empfahl die Verwaltung, ab 1. Mai zusätzlich eine halbe Stelle an der Erziehungsberatungsstelle in Mindelheim einzurichten.

Pro Jahr fallen für die zusätzliche halbe Stelle laut Träger Kosten in Höhe von 33.500 Euro an. Zehn Prozent der Personalkosten trägt die katholische Jugendfürsorge, 6650 Euro übernimmt der Freistaat, den Rest trägt der Landkreis.

Weitere Themen in Kürze

14 Millionen Euro für die Jugendhilfe: 14 Millionen Euro gibt der Landkreis im kommenden Jahr voraussichtlich für die Jugendhilfe aus. Zieht man Einnahmen davon ab, fallen unterm Strich 10,5 Millionen Euro an. Das sind eineinhalb Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Über den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2021 informierte Jugendamtsleiterin Christine Keller im Jugendhilfeausschuss. Grund für die Steigerung sind laut Keller vor allem Personalkosten. Immer mehr Familien bräuchten Hilfe. So habe der Landkreis zum Beispiel die Jugendsozialarbeit an Schulen ausgebaut, setze die sozialpädagogische Familienhilfe verstärkt ein und erweitere nun auch die Erziehungsberatung. Darüber hinaus müssen laut Keller immer mehr Kinder in einem Heim untergebracht werden. Während 2019 insgesamt 32 Kinder in einem Heim wohnten, rechne das Jugendamt im kommenden Jahr mit 52 Fällen. Damit fallen für die Heimerziehung voraussichtlich Kosten in Höhe von 2,45 Millionen Euro an. Es handelt sich dabei um den zweitgrößten Posten im Haushalt des Jugendamts. Am meisten Geld sieht der Etat mit 2,95 Millionen Euro für die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder vor. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Begleitung in der Schule handeln. Auch bei der Eingliederungshilfe sei der Bedarf deutlich gestiegen, informierte Keller. Der Jugendhilfeausschuss empfahl dem Kreistag, die Haushaltsansätze wie vorgeschlagen zu genehmigen.

Elterntalk läuft auch online: Trotz der Corona-Pandemie fanden auch diesem Jahr zahlreiche Elterntalks statt. Darüber informierte Regionalbeauftragte Elisabeth Hofmann im Jugendhilfeausschuss. Man habe ein entsprechendes Konzept entwickelt und Elterntalk online angeboten. Bei Elterntalk handelt es sich um organisierte Gesprächsrunden, die von Müttern oder Väter moderiert werden, und sich zum Beispiel um Themen wie Medien, Konsum, Suchtprävention oder gesundes Aufwachsen in der Familie drehen. Ziel ist es, die Erziehungskompetenz von Eltern durch Eltern zu stärken. Das Angebot gibt es im Unterallgäu seit 18 Jahren. 2019 fanden im Unterallgäu insgesamt 51 Talks statt, bei denen 267 Eltern erreicht wurden – davon ein Viertel mit Migrationshintergrund.